BUILD A  SOLARWORLD

Das Dach ist eine
unerschöpfliche Ressource

Nur wer eine Vision hat, kann etwas bewegen. Lösungen für große Fragen der Zukunft wie Energieversorgung, Ressourcenknappheit und Klimawandel brauchen Menschen, die vorausdenken, neue Chancen erkennen und mutig vorangehen. Das ist der Spirit der SolarWorld, mit dem wir an unserer großen Vision bauen und der Welt „aufs Dach steigen“.

Bild: Frank H. Asbeck, Vorstandsvorsitzender der SolarWorld AG
Frank H. Asbeck
Vorstandsvorsitzender der SolarWorld AG

Wir bauen eine solare Welt!
Neun von 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weltweit

Wer könnte besser Antworten auf die entscheidenden Fragen der Zukunft geben als die „klugen Köpfe“, die Macher aus unserer Forschung und Entwicklung? Sie entwickeln Ideen für die Zukunft. Sie arbeiten daran, dass wir durch Innovationen weiter Maßstäbe setzen und der solaren Welt täglich einen kleinen Schritt näher kommen.

Mit vier von ihnen haben wir uns an unserem Forschungsstandort Freiberg zu einem Zukunftsgespräch getroffen.

»Das Dach ist eine unerschöpfliche Ressource«

Das Zukunftsgespräch: Eine Solare Vision 2020+

„Build a solarworld“: Das ist unsere Vision eines regenerativen Zeitalters mit einer sauberen, sicheren, fairen und solaren Energieversorgung. Doch wie wird die solare Welt 2020 und darüber hinaus konkret aussehen? Und was ist heute und in den nächsten Jahren zu tun, damit diese Vision Wirklichkeit wird?

Antworten auf diese spannenden Fragen finden Menschen mit Mut und Phantasie – Menschen, die vor- und querdenken. Eine Vision braucht „kluge Köpfe“, die kreative Ideen und intelligente Lösungen entwickeln und uns der Vision damit Tag für Tag, Schritt für Schritt näher bringen. Für diese Innovationskraft stehen unsere Mitarbeiter der Forschung und Entwicklung: „SolarWorld’s brain power“.

Wer könnte also besser einen Blick in die Zukunft wagen? Vier unserer Kollegen aus der Forschung, Entwicklung und Qualitätssicherung trafen im November 2009 am deutschen Produktionsstandort Freiberg zu einem Gespräch zusammen. Losgelöst von ihrem Tagesgeschäft tauschten sie sich über ihre Vorstellungen und Visionen aus. Das Gespräch verbanden sie mit einem Besuch auf der Baustelle des neuen Solarzell- und Modultechnikums. Die SolarWorld Innovations GmbH schafft hier ein europaweit einzigartiges Forschungs- und Entwicklungszentrum. Ab Frühjahr 2010 werden hier tagtäglich neue Ideen entstehen, erprobt und schließlich in die Tat umgesetzt.

Beim Zukunftsgespräch im November 2009 verlegen Bauarbeiter gerade Leitungen und ziehen Wände ein, die ersten Pilotanlagen werden installiert. Ein frischer Herbstwind zieht durch Löcher im kahlen Boden herein. Es riecht nach Holz und Zement. Und man spürt: Etwas Neues ist im Entstehen. Der Aufbruch in die nächste Etappe auf dem Weg in die solare Welt kann beginnen.

Frei diskutieren – einander zuhören – Standpunkte einnehmen: Dr. Ralf Lüdemann (2. von links) und Dr. Holger Neuhaus (rechts), beide Geschäftsführer der SolarWorld Innovations GmbH. Weiter im Bild: Dr. Ute Mareck, Leiterin der Qualitätssicherung Deutsche Cell GmbH und Harald Tebbe (links), Produktmanager PV-Systems, SolarWorld AG.

Lassen Sie uns gemeinsam einen Blick in das Jahr 2020 werfen. Wie können wir uns die Energieversorgung eines typischen Eigenheims vorstellen?

Ute Mareck: Fest steht: Der Energiebedarf wird um ein Vielfaches steigen. Immer mehr Menschen wollen es zu Hause nach Belieben warm und hell haben, sich eine Limonade aus dem Kühlschrank holen, den Fernseher und Computer einschalten und natürlich mobil sein. Die alltäglichen Bedürfnisse und der damit verbundene Energiebedarf werden bis 2020 deutlich zulegen. Nun stellt sich aber nicht nur die Frage, wie wir diese anziehende Nachfrage mengenmäßig abdecken, sondern gleichermaßen, wie wir sie klimafreundlich gestalten können. Die Antwort können nur erneuerbare Energien sein!

Ralf Lüdemann: Da kann ich nur zustimmen. Denn wir müssen uns vor Augen führen: Die klassischen Energieträger sind wie ein großer Batteriespeicher der Erde, der über Jahrmillionen durch die Sonne und biologisch-geologische Prozesse aufgeladen wurde. Und dieser Speicher ist in absehbarer Zeit einfach leer. Da der rasante Verbrauch dieser Energieträger gleichzeitig unser Klima – und damit auch neben uns Menschen unsere Volkswirtschaften – nachhaltig schädigt, ist eine Wende zur kompletten Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts unumgänglich.

»Die solare Einstrahlung übersteigt den Weltenergie- verbrauch um ein Vielfaches. Wir müssen die Sonne einfach nutzen!« (Holger Neuhaus)

Holger Neuhaus: Zum Glück müssen wir darüber nicht mehr diskutieren. Entscheidend ist jetzt die Frage: Welches ist der beste Weg ins regenerative Zeitalter? Als Physiker ist es für mich eine einfache Rechnung. Die solare Einstrahlung übersteigt den Weltenergieverbrauch um ein Vielfaches – und dies selbst in Regionen wie Deutschland. Wir müssen die Sonne einfach nutzen! Meine Vision für das Eigenheim im Jahr 2020 ist daher klar: Der Strom kommt vom eigenen Dach. Solaranlagen auf Tausenden und Abertausenden von Dächern fangen das Sonnenlicht dort ein und wandeln es direkt in Strom um.

Harald Tebbe: Der große Vorteil von Solarstromanlagen auf dem oder am eigenen Haus ist: Sie erzeugen Elektrizität dort, wo sie gebraucht wird. Ich bin sicher, in Zukunft werden sie so selbstverständlich zu einem Gebäude gehören, wie heute die Steckdose, der Lichtschalter und der Sicherungskasten. Die einzelnen Komponenten wie Generator und Energieverteilung sind dann integraler Bestandteil der Dächer oder auch Hausfassaden sowie der Elektroinstallation. Die Lebensdauer der Solarstromanlage entspricht der Lebensdauer der jeweiligen Gewerke.

Ralf Lüdemann: Die kleine Aufdachanlage bahnt den Weg in die Zukunft, und die heißt: Das Eigenheim ist Energieversorger! Aus Solaranlagen auf dem Dach kann durch Kombination mit intelligenten Wechselrichtern und Batteriesystemen ein Kleinkraftwerk mit On-Demand-Bereitstellung von elektrischer Energie werden. Auch eine Kombination mit solarthermischen Komponenten ist möglich: Auf der begrenzten Dachfläche konkurrieren diese Systeme künftig nicht mehr miteinander, sondern ergänzen sich, um sowohl elektrische Energie als auch Wärme für den Haushalt zu liefern. Die Zukunft gehört also sogenannten „Smart Buildings“, die ihren Energiebedarf teilweise selbst decken, teilweise im Verbund mit anderen kleinen und kleinsten dezentralen Energieversorgern eine Art virtuelles, regeneratives Großkraftwerk darstellen. Damit wird auch eine neue Ära der Versorgungssicherheit erreicht.

»Wir brauchen keine Großprojekte in der Sahara. Unsere Vision baut auf die unabhängige, sichere und faire Energieversorgung vom eigenen Dach.« (Holger Neuhaus)

Holger Neuhaus: Schon in den nächsten Jahren, also nicht erst 2020, werden wir einen starken Entwicklungsschub in Richtung des „Smart Building“ erleben. Bislang ist es ja in aller Regel noch so: Die Haushalte speisen ihren Solarstrom vom Dach in das Netz ein, die Energie für ihren eigenen Bedarf kommt aber immer noch konventionell aus der Steckdose. In Zukunft werden wir jedoch immer mehr zur Eigenversorgung kommen – in dem Maße, wie der Solarstrom immer günstiger wird und wir bessere Speichertechnologien haben. Wenn wir dann noch über „Smart Grids“, also intelligente Netze, verfügen, ist folgendes Szenario möglich: Je nach Angebotslage kann ein Haushalt seinen eigenen Strom selbst verbrauchen oder speichern, ins Netz einspeisen und damit Geld verdienen oder Strom aus dem Netz beziehen. Jeder Haushalt führt dann tatsächlich seinen eigenen kleinen Energieversorgungskonzern.

Harald Tebbe: Und man kann noch einen Schritt weitergehen: Das Eigenheim ist in Zukunft nicht nur Energieversorger, sondern auch Tankstelle. Der Trend geht zum Elektrofahrzeug. Auch das braucht natürlich Energie und die muss nachhaltig erzeugt sein: Über eine Schnittstelle tankt das Auto deshalb sauberen Solarstrom vom Hausdach oder vom SunCarport. Das Elektroauto wird in das „Smart Grid“ eingebunden. Wenn die häusliche Solaranlage einen Überschuss produziert, können so auch die Speicherkapazitäten des Fahrzeugs genutzt werden. Die Vision ist schließlich ein vollintegriertes System für nahezu alle Bedürfnisse eines Haushalts – von der kühlen Limonade bis zur sauberen Limousine.

 

Wie bewerten Sie das Potenzial von Solaranlagen auf dem Dach für die zukünftige Energieversorgung?

Ute Mareck: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Fachhochschule Osnabrück haben im Rahmen des Pilotprojekts SUN-AREA berechnet, dass in Deutschland der Bedarf aller Privathaushalte zu 100 Prozent mit Solarstrom vom Dach gedeckt werden könnte. Dafür müsste man alle geeigneten Dachflächen nutzen – das sind etwa 20 Prozent aller Dachflächen. In den USA stünden 25 Prozent der Dachflächen von Wohnhäusern und 60 Prozent der gewerblichen Dachflächen für Solaranlagen zur Verfügung. Das hat die Studie „Energy Self-Reliant States“ 2009 ergeben. Das Potenzial ist riesig. Man muss es nur nutzen.

Harald Tebbe: Das Dach ist eine unerschöpfliche Ressource. Es kommt wie bei allen Ressourcen aber darauf an, sie richtig zu erschließen. Zum einen gibt es noch unzählige Hausbesitzer in Deutschland mit hervorragend geeigneten Dächern, denen man helfen sollte, diesen Schatz zu entdecken. Immer mehr Städte bauen dafür zum Beispiel gerade „Dachkataster“ auf. So kann sich jeder Bürger über die Eignung seines Dachs schnell und direkt im Internet informieren. Zum anderen wird das Potenzial in den nächsten Jahren sicher noch wachsen, wenn durch verbesserte Systeme und weiter sinkende Kosten für Solarmodule auch die Flächen genutzt werden, die aus heutiger Sicht nicht oder nur wenig tauglich sind, also etwa mit Ost-West-Ausrichtung oder mit Verschattung.

Holger Neuhaus: Wir sollten an unserem „Dach-Potenzial“ arbeiten, wir sollten auf eine möglichst breite Basis von Energieversorgern setzen. Dann brauchen wir übrigens auch keine Großprojekte in der Sahara. Unsere Vision ist schließlich nicht nur eine saubere, sondern auch unabhängige, sichere und faire Energieversorgung. Solarstrom aus der Wüste würde aber genau dieselben Probleme mit sich bringen, wie wir sie seit Jahrzehnten bei Öl und Gas erleben: politische Abhängigkeiten und aufwändige Fernleitungen. Außerdem bergen solche Projekte die Gefahr, dass in den Herkunftsregionen, wenn überhaupt, wieder nur gewisse Eliten profitieren.

Wie schätzen Sie persönlich die Vollversorgung mit erneuerbaren Energien ein? Ist sie eines Tages möglich?

Ralf Lüdemann: Die Frage nach der zukünftigen Vollversorgung der Gesellschaft mit erneuerbarer Energie stellt sich nicht als „ob“, sondern als „wann“ und „wie“. Der Bundesverband Erneuerbarer Energien prognostiziert allein für Deutschland für 2020 einen Anteil von 47 Prozent erneuerbarer Energien beim Stromverbrauch, von denen aus heutiger Sicht sieben Prozent auf die Photovoltaik entfallen werden. Das kann natürlich nur ein Etappenziel auf dem Weg zur Vollversorgung sein, die aber zwangsläufig kommen muss.

Ute Mareck: Auf den richtigen Mix kommt es an! Wenn die Sonne gerade nicht scheint, gibt es immer noch Wind, Wasser oder Biomasse. Alle erneuerbaren Energiequellen haben ihre Vor- und Nachteile. Die Lösung liegt in ihrer geschickten Kombination. Dann können wir in Zukunft den Strombedarf in Deutschland zu 100 Prozent und 24 Stunden am Tag mit erneuerbaren Energien decken. Dies zeigt das Pilotprojekt „Regeneratives Kombikraftwerk“ des Kasseler Fraunhofer Instituts für Windenergie und Energiesystemtechnik IWES. Auch die SolarWorld ist an diesem Projekt beteiligt. Das Kombikraftwerk verknüpft und steuert über ganz Deutschland verteilte Solar-, Wind-, Biomasse- und Wasserkraftanlagen. Es ist ebenso zuverlässig und leistungsstark wie ein herkömmliches Großkraftwerk. Durch die gemeinsame Regelung kleiner und dezentraler Anlagen kann bedarfsgerecht und zuverlässig Strom bereitgestellt werden.

Harald Tebbe: Ich möchte einen wichtigen Aspekt ergänzen: Je weniger wir verbrauchen, desto weniger müssen wir erzeugen. Eine Vollversorgung mit erneuerbaren Energien wird umso eher möglich, je mehr wir die Effizienz unserer Energienutzung insgesamt deutlich erhöhen. Das gilt übrigens auch für den Energieverbrauch bei der Fertigung unserer Produkte – und daran arbeiten wir auch.

Welche Perspektiven bieten erneuerbare Energien in Entwicklungs- und Schwellenländern?

Ralf Lüdemann: Gerade beim Stichwort „Vollversorgung“ sollte man nicht die vielen netzfernen Regionen dieser Erde vergessen, die durch autarke Energieerzeugung aus regenerativen Energiequellen wie der Solarenergie überhaupt nur nachhaltig versorgt werden können. Die Verknüpfung mehrerer Solaranlagen mit einer gemeinschaftlichen Windkraftanlage und einem Energiespeicher stellt hier schon ein „intelligentes“ Netz dar.

»Die Frage nach der Vollversorgung mit erneuerbarer Energie stellt sich nicht als „ob“, sondern als „wann“ und „wie“.« (Ralf Lüdemann)

Harald Tebbe: Die Fehler, die bei der Elektrifizierung in den Industriestaaten im letzten und vorletzten Jahrhundert gemacht wurden, können und müssen wir heute in Schwellen- und Entwicklungsländern vermeiden und von vornherein eine saubere, unerschöpfliche und dezentrale Stromversorgung aufbauen.

Ute Mareck: Rund 1,5 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu einem Stromnetz, das ist fast jeder vierte Bewohner der Erde. Eine verlässliche und bezahlbare Versorgung mit Elektrizität ist jedoch kein Luxus, sondern berührt elementare Bedürfnisse. Wie wichtig allein Licht für Schulen und Strom für Krankenhäuser ist, liegt auf der Hand. Solarstrom funktioniert überall und kann somit in vielen Teilen der Welt der Schlüssel für eine nachhaltige Entwicklung sein. Dieser Ansatz hat ein enormes Potenzial. Um es sichtbar zu machen, brauchen wir positive Beispiele, die Schule machen. Das ist die Idee hinter der Initiative „Solar2World“. Unter diesem Dach hat unser Konzern ja schon zahlreiche, beispielgebende Not-for-Profit-Projekte im Bereich Photovoltaik unterstützt, hauptsächlich in Afrika.

»Rund 1,5 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu einem Stromnetz. Eine verlässliche und bezahlbare Versorgung mit Elektrizität ist kein Luxus, sondern berührt elementare Bedürfnisse.« (Ute Mareck)

Holger Neuhaus: Wenn wir die globale Perspektive einnehmen, dürfen wir ein anderes existenzielles Zukunftsthema nicht außer Acht lassen: Wasser. Genau wie beim Problemkreis fossile Energieträger und Klimawandel stehen wir hier vor einer ungeheuren globalen Herausforderung. Nur zwei Zahlen dazu, um die Dramatik zu verdeutlichen: Heute stirbt alle 20 Sekunden ein Kind an Krankheiten, die durch den Mangel an sauberem Wasser entstehen. Und: Bis zum Jahr 2030 wird der weltweite Wasserbedarf um 50 Prozent steigen. Auch beim Thema Wasser kann Solarstrom einen wichtigen Beitrag leisten: Zum einen dadurch, dass Solarstrom hilft, den Klimawandel und dessen negative Auswirkungen auf den weltweiten Wasserhaushalt zu begrenzen. Zum anderen durch solarstrombetriebene Wasserpumpen und Desinfektionsanlagen. Auch hier gibt es bereits wegweisende „Solar2World“-Projekte, etwa in Kisumu in Kenia, wo dank Photovoltaik für 2.000 Schüler sauberes Trinkwasser zur Verfügung steht.

Ute Mareck: Sobald die existenziellen Bedürfnisse wie sauberes Wasser befriedigt sind, werden auch die Bewohner der heute weniger industrialisierten Länder irgendwann ihr berechtigtes Bedürfnis an Kühlschränken, Fernsehern, Motorrädern, Autos und Handys anmelden. Dies alles wird nur mit erneuerbaren Energien zu meistern sein.

Welchen Beitrag leisten Sie in der Forschung und Entwicklung, damit die solare Welt Wirklichkeit wird?

Ralf Lüdemann: Unsere übergeordnete Aufgabe ist es, unsere primäre Energiequelle, die Sonne, in die zukünftige Energieversorgung einzubinden. Um einen Durchbruch zu erzielen, müssen wir konkret die Nutzung der Sonnenenergie noch effektiver und kostengünstiger machen. Bei der SolarWorld konzentrieren wir uns ganz gezielt auf universelle Solarstromprodukte und die kristalline Photovoltaik. Hier sind wir entlang der gesamten Wertschöpfungskette aktiv: vom Rohstoff Silizium bis zur schlüsselfertigen Anlage inklusive Recycling. Als Forscher und Entwickler setzen wir analog auf allen Stufen der Wertschöpfung an. Wir drehen sozusagen Tag für Tag überall im Konzern an allen großen und kleinen Stellschrauben, um unsere Technologie leistungs- und wettbewerbsfähiger zu machen und damit für eine massenhafte Energiebereitstellung zu rüsten. Ich sehe uns dabei übrigens eher als Entwickler denn als Forscher: Wir arbeiten auf konkrete Ziele hin und entwickeln Produkte eng am Markt.

Holger Neuhaus: Ein Meilenstein auf dem Weg in die solare Welt wird die Netzparität sein. Das ist der Zeitpunkt, an dem Solarstrom genauso viel kostet wie der konventionelle Strom aus der Steckdose. Dies wird schon in wenigen Jahren der Fall sein. Wenn wir unsere kristalline Technologie konsequent weiterentwickeln, wird man auf Stromgestehungskosten kommen, die sogar unter denen fossiler und atomarer Energiequellen liegen. Es wird also eines Tages auch ökonomisch keinen Sinn mehr machen, fossile Energieträger zu verheizen. Der Weg der solaren Energieversorgung vom eigenen Dach ist daher der konsequente Anfang des totalen Umbaus unserer Energiewirtschaft. Natürlich muss sich da noch einiges tun, aber daran arbeiten wir mit Hochdruck.

Harald Tebbe: Ich bin sicher, dass die Kosten generell weiter sinken werden. Solarstrom kennt keine Grenzen. Die weltweite Verbreitung von Solarstromanlagen führt zu internationalen Standards, die eine signifikante Kostenreduktion der gesamten Elektroinstallation bis in die Netze nach sich zieht.

Bild: Ralf Lüdemann
Ralf Lüdemann

Holger Neuhaus: Solarmodule werden dadurch kostengünstiger, dass wir den Wirkungsgrad konsequent steigern, gleichzeitig die Prozesskomplexität reduzieren und deutlich weniger Rohmaterialien einsetzen, indem wir die Ausbeute stark verbessern. So werden wir Zeiten erleben, in denen das Silizium in einem Modul weniger kostet als das Glas eines Moduls. An dieser Stelle wird deutlich: Niedrigeffizienzansätze wie Dünnschichttechnologien sind sinnlos.

Ute Mareck: Ich gehe davon aus, dass in den kommenden zehn Jahren der Wirkungsgrad von Solarzellen deutlich stärker als bisher steigen wird: etwa um fünf Prozent, also 0,5 Prozent jährlich. Denn in den letzten Jahren hat die Intensität, mit der Institute, Anlagen- und Materialhersteller weltweit an Photovoltaik-Produkten arbeiten, zugenommen. Viele bringen ihre Erfahrungen aus anderen Branchen ein, zum Beispiel der Mikroelektronik. Das gibt der Entwicklung einen großen Schub. Eine Erhöhung des Wirkungsgrades ist auch durch die Hybridbildung von Solarthermie und Photovoltaik denkbar. Hier stehen wir erst am Anfang. Und ich möchte noch einmal generell betonen: Wer gar keine Sonnenenergie nutzt, hat auf seinen Dachschindeln einen Wirkungsgrad von null Prozent oder in heißen Ländern sogar einen negativen Effekt, da Energie zur Kühlung der überhitzten Gebäude genutzt wird – und dann womöglich auch noch aus fossilen Energieträgern.

Holger Neuhaus: Auch die Lebensdauer unserer Produkte werden wir weiter verbessern. Unser Wunsch ist im Prinzip eine Lebensdauer, die ebenso lang ist wie die des Steins eines Hauses. Das ist ja das Schöne an der Photovoltaik: Es dreht sich nichts und es dampft nichts, und wo sich nichts dreht und nichts dampft, kann auch nichts kaputtgehen. Dafür müssen die heutigen Faktoren, welche die Garantie auf 25 Jahre begrenzen, beseitigt werden. Daran arbeiten wir, und ich kann mit voller Überzeugung sagen, dass dies möglich ist.

Ralf Lüdemann: Sie sehen, die Qualität unserer Produkte steht für uns im Mittelpunkt: effizient, langlebig, sicher. Deshalb legen wir auch großen Wert darauf, unsere Produkte und alle Materialien, die wir zu ihrer Herstellung benötigen, vor der Einführung von Innovationen und begleitend zu Produktion einer laufenden Qualitätsprüfung zu unterziehen.

»Wir schaffen eine Lösung für fast jedes Dach!«
(Harald Tebbe)

Harald Tebbe: Die Speichertechnologien müssen in den nächsten Jahren besser werden, damit sich Haushalte immer mehr mit eigenem Solarstrom versorgen und schließlich zu Energieversorgern werden. In Kooperation mit Partnern werden wir Komplettpakete mit einer Batterie entwickeln: Sie speichert überschüssige Erträge der Solaranlage, puffert Energie in Niedriglastzeiten und speist sie in Hochlastzeiten zurück.

Ute Mareck: Wir stellen uns der doppelten Herausforderung, Kosten zu senken und gleichzeitig die anerkannt hohe Qualität unserer Produkte zu sichern und weiter zu steigern. Die Kundenperspektive wird dabei immer wichtiger. Ich möchte nur einen Aspekt hervorheben: das Design. Nicht jeder mag zum Beispiel blaue Module auf seinem Dach. Hier sollten wir unser Angebot diversifizieren. Zukünftig wird die SolarWorld deswegen auch schwarze Module in ihrem Portfolio haben. So erreichen wir breitere Kundenkreise und erhöhen die Reichweite sauberer Solarstromtechnologie.

Harald Tebbe: Richtig. Wir werden uns künftig noch stärker als bisher an den Kundenbedürfnissen orientieren. Dabei spielen die Produkte und ihre Qualität eine große Rolle. Wir wollen unseren Kunden aber ein optimales „Gesamtpaket“ bieten. Dazu gehören die Sicherheit der Investition, die Gewissheit eines dauerhaften Service und die Absicherung gegen etwaige Risiken.

Ralf Lüdemann: Wenn wir den breiten Markt bedienen wollen, sollten wir unseren Kunden natürlich auch ein vielfältiges Angebot machen. Es geht dabei aber nicht darum, manufakturartig Nischenprodukte für die ausgefallensten Geschmäcker zu fertigen. Unsere Strategie ist klar: Wir setzen auf ein hochwertiges und universell einsetzbares Produkt – ohne Schnickschnack. Unsere Systeme sind einfache, durchschaubare und verstehbare Lösungen. Sie sind nicht durch die Überladung mit Zusatzkomponenten verkompliziert. Vielmehr sind es „Allrounder“, die so vorbereitet sind, dass sie mit erweiterter Funktionalität kombiniert werden können. Wir nennen das Mehrwert-Option. Dazu gehört künftig immer mehr die Kopplung mit Solarthermie oder Pufferlösungen sowie ganz wesentlich die Integration in intelligente Netze.

Harald Tebbe: Das Generieren von Mehrwert für den Anlagenbesitzer, den Installateur und den Handel ist eine zentrale Aufgabe für unsere Teams in der Systemtechnik. Unsere Lösungen sollen immer einfacher, besser und zuverlässiger werden. Wir bieten Lösungen im Baukastenprinzip: In unseren Sunkits®-Bausätzen können wir die standardisierten Module mit Wechselrichter, Montagesystem, Batterie, moderner Leittechnik und weiterem Zubehör kombinieren. Diese Elemente werden individuell auf die Bedürfnisse und die Bausituation des Kunden abgestimmt. Wir schaffen eine Lösung für fast jedes Dach!

Der endgültige Durchbruch in „sonnige Zeiten“ hängt maßgeblich von der Entwicklung der Kosten ab. Doch wie wichtig sind dabei aus Ihrer Sicht die Aspekte „Ökologie“ und „Nachhaltigkeit“?

Ute Mareck: Wir wollen keine „billigen“ Produkte, sondern welche, die ihren Preis wert sind! Dazu gehört auch die Einhaltung von ökologischen und sozialen Standards bei der Produktion.

Holger Neuhaus: Es wäre doch widersinnig, ein Produkt für eine nachhaltige Energieversorgung zu entwickeln, das nicht nachhaltig produziert wird. Wer einen schmutzigen Weg geht, kommt nicht sauber an. Was ich jahrzehntelang auf meinem eigenen Dach habe, muss einfach zu 100 Prozent sauber sein, und zwar in der Herstellung, in der Nutzung und in der Wiederverwertung. Dazu ist Silizium der ideale Ausgangsstoff – noch ein wichtiges Argument, warum wir auf diese Technologie setzen und auf keine andere. Ziel muss es sein, dass ein Solarmodul nach seiner Lebensdauer ganz einfach wieder in seine wenigen Ausgangsstoffe überführt werden kann, um dann wieder ein neues Modul daraus herzustellen. Dann sind wir in eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft eingetreten. Einen ersten Schritt haben wir mit dem Modul-Recycling bei der SolarWorld bereits getan: Wafer, Metall und Glas werden hier wiederverwertet. Die Kunststoffe können heute noch nicht wiederverwertet werden. Wir arbeiten jedoch daran, den Kunststoffanteil immer weiter zu reduzieren. In die Zukunft geblickt werden alle Stoffe eines Moduls zu 100 Prozent wieder zu einem Modul.

Ralf Lüdemann: Energie, Ressourcen und Material einzusparen, das dient der Umwelt und hilft uns gleichzeitig, Kosten zu senken. Wir schlagen also zwei Fliegen mit einer Klappe. Besonders am Herzen liegt es uns, umweltschädliche Komponenten zu vermeiden. Nachhaltig bedeutet für mich eben nicht nur unbegrenzt verfügbar und sauber, sondern auch ohne irreversible Veränderungen an der Erde.

Holger Neuhaus: Wir denken doch an einen sehr großen Markt, der zusammen mit den anderen erneuerbaren Energiequellen die gesamte Menschheit mit Energie versorgen muss. Das bedeutet auch, dass wir die Stoffe, die uns nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen, noch eliminieren müssen. So arbeiten wir gegenwärtig unter anderem daran, Silber ersetzen zu können.

Harald Tebbe: Unsere Vision ist eine unbegrenzte Versorgung mit der unbegrenzten Energie der Sonne. Daraus folgt zwingend, dass wir begrenzte Materialien in unserer Technologie Schritt für Schritt ersetzen. Eine ähnliche Logik gilt übrigens auch für das Thema Mobilität: Die Umstellung auf Elektrofahrzeuge ist nur dann die richtige Antwort auf Ressourcenknappheit und Klimawandel, sofern wir sie mit erneuerbaren Energien betreiben. Wo wäre der positive Effekt, wenn wir sie mit Strom aus Kohle- oder Kernkraftwerken betankten?

Ute Mareck: Es wird deutlich, dass wir in unserer Arbeit immer die richtige Balance finden müssen. Wir wollen einerseits hohe Wirkungsgrade erzielen, andererseits keine limitierten Rohstoffe vergeuden oder giftige Substanzen einsetzen. Für uns kann es daher keine Lösung sein, Solarzellen mit Rekord-Wirkungsgraden zu entwickeln, wenn wir dafür so begrenzte Ressourcen wie Indium und Gallium oder Cadmium verwenden müssen. Damit kann man zumeist nur einige wenige Module für spezielle Anwendungszwecke wie im Weltraum bauen, jedoch nicht die Elektrifizierung der sich entwickelnden Länder und den allgemeinen Umbau der Energieversorgung auf erneuerbare Energietechnik betreiben.

Holger Neuhaus: Genau. Wir forschen weder für spektakuläre „Wunder“ im Labor, den Weltraum oder die Wüste noch für das „Guinness-Buch der Rekorde“. Wir entwickeln universelle, einfache und hochwertige Lösungen, die überall funktionieren und einmal ganz alltäglich sein werden. Das ist für mich die wahre Sensation.

Ralf Lüdemann: Als Resümee möchte ich noch einmal auf uns Eigenheimbesitzer im Jahr 2020 zurückkommen. Wir werden deutlich unabhängiger von endlichen Ressourcen und zentralen Netzen sein als heute: durch die Vernetzung vieler, dezentraler Energieversorger und die Kombination der Stärken unterschiedlicher erneuerbarer Energien. Wir werden rundum nachhaltigen Strom produzieren – ganz wesentlich aus sauberen Dachanlagen. Und wir werden auch ökonomisch erfolgreich sein, denn wir können als eigener Energieversorger unseren Solarstrom Gewinn bringend verkaufen. Die Vision ist: Unabhängigkeit, Nachhaltigkeit und Erfolg. Also genau das, was auch in der Mission der SolarWorld zum Ausdruck kommt: Be independent! Be sustainable! Be successful!

Die Zukunft bleibt spannend! Vielen Dank für das Gespräch.

 

Das Gespräch führte Sybille Teyke,
Leiterin Unternehmenskommunikation,
SolarWorld AG.

SIEBEN GRÜNDE FÜR DIE SOLARE WENDE

  • FOSSILE RESSOURCEN SIND ENDLICH
  • KERNENERGIE IST EINE SACKGASSE
  • ENERGIEWENDE ODER KLIMAKATASTROPHE
  • SOLARENERGIE MACHT UNABHÄNGIG
  • SOLARENERGIE IST DEZENTRAL UND DEMOKRATISCH
  • SOLARENERGIE IST NACHHALTIG UND WIRTSCHAFTLICH
  • REGENERATIVE ENERGIEN SIND EINE ECHTE ZUKUNFTSINDUSTRIE
Aus dem Buch „Eine solare Welt“ von Frank H. Asbeck



Dr. Ute Mareck

Ausbildung und Werdegang: Diplomchemikerin, Studium an der Universität Leipzig, Promotion in der Halbleiterchemie zum Thema „Kristallines Aufwachsen von halbleitenden Mehrfachschichten für InGaAsP-Halbleiterlaser“, danach tätig
in leitenden Funktionen der Qualitätssicherung und Technologie in der Siliziumwaferproduktion für Halbleiteranwendungen

Bei der SolarWorld seit: 2007

Aktuelle Position und Arbeitsschwerpunkte: Leiterin Qualitätssicherung und Produktionstechnologie der Deutsche Cell GmbH. Schwerpunkte sind die Optimierung der bestehenden Zellfertigungsprozesse, Erhöhung der Ausbeute und Wirkungsgrade in den Zellfertigungslinien sowie Kostensenkung.

 

Dr. Ralf Lüdemann

Ausbildung und Werdegang: Seit 20 Jahren in der Photovoltaik tätig. Nach Diplom- und Lehramtsstudium der Physik an der Universität Karlsruhe (Schwerpunkte Optik, Halbleiterphysik und Didaktik) Promotion an der Universität Konstanz zum Thema „Plasmatechnologie für die Photovoltaik“, als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme, Freiburg, verantwortlich für Aufbau und Leitung der Gruppe „Innovative Solarzellen-Fertigungstechnologien“, später auch Koordinator des Marktbe-reiches „Solarzellen-Fertigungstechnologien“ der Fraunhofer Gesellschaft, dazwischen angestellt am University Center of Excellence in Photovoltaic Research and Education (UCEP), Georgia Institute of Technology, Atlanta, USA, verantwortlich für Technologietransfer und Neue Technologien, bis Ende 2008 Geschäftsführer der Deutsche Cell GmbH, seit Mitte 2007 Geschäftsführer der SolarWorld Industries Deutschland GmbH und der SolarWorld Innovations GmbH

Bei der SolarWorld seit: 2002

Aktuelle Position und Arbeitsschwerpunkte: Als Geschäftsführer der SolarWorld Innovations verantwortlich für die konzernweite Technologieentwicklung

 

Dr. Holger Neuhaus

Ausbildung und Werdegang: Diplomstudium der Physik an den Universitäten Göttingen und Hannover, Promotion an der University of New South Wales, Sydney, Australien, zum Thema „Elektrische Charakterisierung von kristallinem Silizium“, anschließend tätig in der Herstellung von Dünnschichtsolarzellen bei einem austra-lischen Unternehmen, Leitung der Charakteri-sierungsaktivitäten

Bei der SolarWorld seit: 2003

Aktuelle Position und Arbeitsschwerpunkte: Geschäftsführer der SolarWorld Innovations GmbH. Schwerpunkte sind die Weiterentwicklung von Produkten, Entwicklung neuer Prozesse und Anlagen für die bestehenden und zukünftigen Produktionsstandorte der SolarWorld mit Fokus auf Kostenreduktion und Qualitätssteigerung der kristallinen Solarstromtechnologie.

 

Harald Tebbe

Ausbildung und Werdegang: Diplomingenieur Maschinenbau (Fachhochschule Köln /Cologne University of Applied Science). 25 Jahre tätig in der Gebäude- und Industrieautomation bei führenden internationalen Herstellern, als Geschäftsführer, Leiter Forschung und Entwicklung, Leiter Marketing und Produktmanagement

Bei der SolarWorld seit: 2009

Aktuelle Position und Arbeitsschwerpunkte: Leiter Produktmanagement Systemtechnik bei der SolarWorld AG. Wichtigste Aufgaben sind die kontinuierliche Anpassung und Erneuerung des Solarworld Produktportfolios mit Ausrichtung auf komplette Systemlösungen, Entwicklung neuer Lösungsansätze für heutige und künftige Märkte.

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